Musiknachrichten aus Ober-Ramstadt

Nachtwächterrundgang mit dem Chor’56

Mit Fackeln und Gelächter ging es durch die Stadt

Eigener Bericht

Wenn die Nachtwächter in Ober-Ramstadt früher auch so viel auf ihren Rundgängen zu lachen hatten, waren sie zu beneiden. Lustig ging es jedenfalls am Samstag (23.10.2010) zu. Der Chor’56, ältester Verein Ober-Ramstadts, hatte zum zweiten Nachtwächterrundgang durch Ober-Ramstadt eingeladen. Über hundert Interessierte kamen zu der etwas anderen Stadtführung.


„Hört, ihr Herrn, und lasst Euch sagen: Unsre Glock' hat 12 geschlagen. Zwölf, das ist das Ziel der Zeit. Mensch, bedenk die Ewigkeit“. Mit diesem alten Nachtwächterlied eröffnete der Chor’56 die Veranstaltung. Dirigentin war Karin Glitscher.

Treffpunkt des Nachtwächterrundgangs war der Hof vor der Hammermühle. Dort begrüßte Marianne Bert, welche die Nachtwächter an diesem Abend als Anekdotenerzählerin begleiten sollte, alle Zuhörer. „Ihr lieben Owwer-Rämschder und Gäste seid herzlich gegrüßt. Wir hoffen, dass Ihr den Rundgang genießt. Durch uralte Gassen wollen wir Euch führn. Und berichten, was in Vorzeit passiert."


Vorne links sehen Sie den Nachtwächter Gerd Eberle. Auf dem Rundgang stieß später noch der Nachtbeiwächter Alfred Riedel hinzu (nicht auf dem Foto). Marianne Bert (mit rotem Schal) begleitete die Nachtwächter als Anekdotenerzählerin. Volker Hertwig (vor der Eingangstür) Vorsitzender vom Chor’56, verlas den Erlass der Nachtwächterordnung von 1854.

In Ober-Ramstadt herrschten Sodom und Gomorrha

Volker Hertwig, Vorsitzender des Chores 56, erzählte nach der Begrüßung durch Marianne Bert, dass es in Ober-Ramstadt tatsächlich eine Nachwächterordnung gegeben habe. Diese wurde am 6. November 1854 erlassen. Dem Großherzog in Darmstadt war zu Ohren gekommen, dass in Ober-Ramstadt Sodom und Gomorrha herrschten. Der Großherzog hatte daraufhin mit Unterstützung des Bürgermeisters veranlasst, dass das Kreisamt eine Nachtwächterordnung erlässt.

Und da es in Ober-Ramstadt in der Nacht besonders viel Zoff gab, wurde verfügt, dass es nicht nur einen Nachtwächter, sondern auch noch einen Nachtbeiwächter geben solle.

Volker Hertwig verlas die Original-Nachtwächterordnung

Das Nachtwächterpersonal habe sich vor allem eines ,,nüchternen Lebenswandels" zu befleißigen, heißt es in der Verordnung. Hertwig sah in die Runde und meinte: „Ich schaue niemanden an!“ Auch § 5 sorgte für Erheiterung: „Betrunkene, die im Freien liegend gefunden worden sind, sind besonders bei kaltem Wetter unter Obdach oder Gewahrsam zu bringen.“

Auch diese Regelung hatte es in sich: „Wenn liederliche Weibspersonen herumschweifen oder in Wohnungen einen unsittlichen Lebenswandel führen, so hat der Nachwächter es dem Bürgermeister am folgenden Tag zu melden. Fremde Dirnen sind festzunehmen und dem Bürgermeister vorzuführen.“

Ausgestattet mit diesen Instruktionen konnte es losgehen. Ausgangspunkt war der Hof der Hammermühle

Die Hammermühle ist das städtebauliche Schmuckstück Ober-Ramstadts, wie Nachtwächter Gerd Eberle erzählte. Die Hammermühle war eine von zehn Mühlen, die seit dem 17. Jahrhundert aus Ober-Ramstadt überliefert sind. 1980-1984 wurde die Mühle aufwändig renoviert. Vom Original sind heute noch das große Mühlenrad zu besichtigen sowie die technische Einrichtung im Innenraum des Restaurants.

Und dann ging es weiter zum neuen Rathaus, durch die Hammergasse bis zur Stadthalle. Dort stand früher der Knöse-Hof. An der Stadthalle sang der Chor auch das Lied von der ,,Modautalerin, so jung und frisch". Dieses wurde vor mehr als 100 Jahren von einem Dirigenten des  Chores geschrieben.

Nach der Stadthalle ging es weiter zur Apotheke, zum Gasthaus Löwen, dem Alten Rathaus, der Metzgerei Rambaud und wieder zurück zur Hammermühle.

Unterwegs wartete Georg Christoph Lichtenberg auf die Gäste

Walter Schulz spielte gekonnt den Lichtenberg.

Am Alten Rathaus wartete schon Lichtenberg, einer der berühmtesten Söhne Ober-Ramstadts. Er erzähle, dass er das 17. Kind gewesen sei. Auch berichtete er von seiner Karriere als Wissenschaftler und seinen Sudelbüchern. „Da habe ich mir alles notiert, was mir gerade so eingefallen ist. Ein großes Durcheinander. Aber das kam gut an.“ Und er fragte: „Wollt Ihr mal was hören aus den Sudelbüchern? – Wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen. Und es klingt hohl. Ist es das Buch?“ Oder: „Wenn einer ein ruhiges Gewissen haben will, dann braucht er einfach keine Meinung zu haben.“

Abwechslung und Anekdoten

Auf dem gesamten Nachtwächterrundgang ging es unterhaltsam zu. Der Nachtwächter erklärte alles. Vom Chor’56 waren mehrere Lieder zu hören. Und Marianne Bert trug die eine oder andere Anekdote vor. Die Zuhörer verfolgten sogar Nachbarschaftsstreitereien um ungeschickt aufgehängte Unterhosen. Zurück im Hof der Hammermühle wurde man auch noch Zeuge eines Ehestreits. Dieser spielte sich vor aller Augen am Fenster ab und endete damit, dass der Inhalt eines Nachttopfes im hohen Bogen aus dem Fenster gegossen wurde. Die Dialoge schrieb Brigitte Steckel-Quäl von der Ober-Ramstädter Schreibwerkstatt.


Hier stritten sich Marianne Heisel und Horst Kehr wegen des Nachttopfes.


Die Zuhörer hatten großen Spaß und klatschten laut Beifall.

„O'zapft is.“ Mit diesem Ruf lud Volker Hertwig nach dem Rundgang zur zünftigen Brotzeit mit Leberkäs und anderen Leckerein in den Scheunensaal der Hammermühle ein. Zahlreiche Gäste ließen es sich schmecken.

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