Politiknachrichten aus Ober-Ramstadt

Ober-Ramstadts Ehrenbürger Julius Bendorf gestorben

Im Alter von 101 Jahren

Nachruf. Stadt Ober-Ramstadt
 
Der Ober-Ramstädter Ehrenbürger Julius Bendorf ist im Alter von 101 Jahren nach kurzer Krankheit gestorben. Mit ihm verliert Ober-Ramstadt einen ganz ungewöhnlichen Zeitzeugen des Holocaust und vor allem einen Menschen, der in seiner ihm eigenen, bescheidenen, herzlichen und vor allem inspirierenden Art die Menschen in seinem Umfeld bis ins hohe Alter beeindruckte. Julius Bendorf wurde am 4. Januar 1915 in Ober-Ramstadt geboren und verbrachte seine Kindheit und Jugend in der Darmstädter Straße. 

Seine jüdische Familie, die einen  Metzgerbetrieb führte, war tief in Ober-Ramstadt verwurzelt. Da Julius Bedorf ein sehr guter Sportler war, wurde er sogar für die jüdische Leichtathletikmannschaft nominiert, die die Nationalsozialisten pro forma im Vorfeld der Olympischen Spiele 1936 gebildet hatte. Doch sehr schnell änderte sich das Leben für die Familie Bendorf, wie für so viele jüdische Familien.

Seine Eltern Dina und Joseph, seine Großmutter Jettchen und sein Bruder Manfred wurden während des Holocaust ermordet. Er selbst hatte letztlich das Glück nach einer mehrjährigen Odysee durch verschiedene Konzentrationslager, dass er als Häftling die Befreiung des Konzentrationslagers Dachau erleben konnte.
 
Als er 1946 nach Ober-Ramstadt zurück kehrte, waren dort weder Verwandte noch Freunde anzufinden. So wanderte er nach einer Zwischenstation in Frankfurt 1948 nach Amerika aus.
 
Auch dort gestaltete sich zunächst sein Leben nicht leicht. Er arbeitete auf Baustellen, um sich über Wasser zu halten. Schließlich konnte er in einer Fabrik für Filmprojektoren Fuß fassen, in der er über 15 Jahre arbeitete. Sein weiterer beruflicher Werdegang führte ihn zu einer Computer-Firma nach Kalifornien. Los Angeles wurde seine neue Heimatstadt. Dort lebte er bis zuletzt in der Nähe seiner Familie.
 
Mitte der achtziger Jahre kehrte Julius Bendorf erstmals wieder nach Deutschland zurück. In dem Buch „Ober-Ramstadt und seine Juden“ von Helmut Beier (1988) wird er mit jenen Worten zitiert, die für seine Einstellung zum Leben prägend waren. „Mit jungen Leuten aus allen Kulturen zu diskutieren und die Offenheit zum festen Lebensprinzip zu machen“, darin sah er ein Mittel, dass sich solche Dinge wie in der Nazizeit nicht mehr wiederholen könnten. „Wachsam sein gegenüber Hass und entschlossen allen Beeinflussungen, die borniert machen, entgegen zu treten“.
 
Schüler der Georg-Christoph-Lichtenberg Schule, gemeinsam mit ihrem Tutor Harald Höflein, hatten 2009 im Rahmen ihrer Arbeiten zur Ortsgeschichte im Dritten Reich Kontakt zu Julius Bendorf aufgenommen.
So kam er im Frühjahr 2010 gemeinsam mit seinen beiden Töchtern , Schwiegersohn und vier der fünf Enkel zu der Verlegung der Stolpersteine zum Gedenken an seine ermordete Familie nach Ober-Ramstadt. Dabei nahm er die Gelegenheit wahr, in mehreren Diskussionen mit den Schülern seine Erinnerungen und sein Lebensprinzip zu vermitteln. Es war letztendlich seine Offenheit und der herzliche Kontakt, den er und viele Ober-Ramstädter dabei miteinander aufbauten, der ihn veranlasste, im gleichen Jahr nochmals zur 700 Jahr Feier nach Ober-Ramstadt zu reisen.
 
Ergebnis dieser fortan intensiven Kontakte war der Beschluss der Stadtverordneten-versammlung, Julius Bendorf im März 2011 in Würdigung seines Einsatzes für Verständigung, Freundschaft und Aussöhnung die Ehrenbürgerrechte der Stadt Ober-Ramstadt zu verleihen. „Vielen herzlichen Dank für die Ehre. Nun mehr ist der Kreis meines Lebens geschlossen“ sagte er auf Deutsch. Im Konzentrationslager war er nur noch eine Nummer. „Aber mit der heutigen Ehrung bin ich wieder ein Ober-Ramstädter“.
 

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