Kirche in Ober-Ramstadt

Waldenser-Pfarrer Diethard Mertens offiziell verabschiedet

Mit Festgottesdienst zum Jubiläum „40 Jahre Ordination“

Mitteilung des Dekanats Darmstadt-Land 

Viele waren gekommen, um in der Waldenserkirche in Rohrbach mit Pfarrer Diethard Mertens einen festlichen Jubiläums-Gottesdienst zu feiern. Pfarrer Mertens war vor 40 Jahren in Herborn ordiniert worden. Die kleine Waldenserkirche im Ober-Ramstädter Stadtteil Rohrbach war nun in einem Festgottesdienst (19.4.2015) bis auf den letzten Platz besetzt.

150 Frauen, Männer und Kinder wollten den Mann ehren, der mehr als 22 Jahre Pfarrer der Evangelisch-Reformierten Kirchengemeinde Waldenserkolonie Rohrbach-Wembach-Hahn war. Gleichzeitig konnten sie den beliebten Seelsorger auch offiziell verabschieden, denn ein Infarkt des Gehirns hatte ihn 2004 zum sofortigen Rückzug aus dem Pfarrdienst gezwungen.

 

Viele waren zur Verabschiedung des beliebten Seelsorgers nach Rohrbach gekommen. In der Foto-Mitte (von links): Pfarrer Christoph Lubotta, Dekan Arno Allmann und Pfarrer Diethard Mertens. (Foto: Dekanat Darmstadt-Land)

 

Der Hininfarkt geschah während eines Referententreffens im Schwarzwald. Danach konnte er nicht mehr sprechen und musste Situationen meiden, die starke Emotionen bei ihm auslösen. Mit Hilfe von Therapeuten lernte er nach und nach wieder „das Leben neu zu buchstabieren“. „Sehen, hören und sprechen zu können empfinde ich nun als Geschenk“, sagte der 70-jährige Theologe. Seiner Predigt stellte er das Bibelwort `‘Wer will unser Bote sein?‘ (Jesaja 6,9) voran, das er in der Grundschule in Köln zuerst gehört hatte und ihn seitdem nicht mehr losgelassen habe.

Bereits als Jugendlicher war es sein Wunsch, ein Bote zu sein. Diethard Mertens erinnert sich gerne an die vielen Begegnungen mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die er in den fast 23 Jahren als Pfarrer in der Waldensergemeinde hatte – an Gottesdienste und fröhliche Feiern in den Kindergärten, an Taufen, Hochzeiten und Konfirmationen, aber auch an Seelsorgegespräche mit Menschen in Krisensituationen und an die, die er am Ende des Lebens begleitet hat.

Er wollte in dieser Zeit „Kontinuität und Erneuerung, Treue und Freiheit verbinden“ und keine museale, sondern eine lebendige Kirche. Was ihm gelang. „Dass diese Waldensertradition hier nicht zur Folklore, sondern ein theologisch-spiritueller Schatz für die Kirche und für die Menschen geworden ist, das habe wir vor allem ihm zu verdanken“, lobte Dekan Arno Allmann in seiner Rückschau die besonderen Leistungen von Diethard Mertens und würdigte auch die vielfältigen übergemeindlichen Aktivitäten.

 

 Mehr als 22 Jahre war Diethard Mertens Pfarrer in der Waldensegemeinde Rohrbach. (Foto: Dekanat Darmstadt-Land)

 

Er war nicht nur Vertreter der hessischen Waldensergemeinden im Beirat der Waldenservereinigung, sondern pflegte auch die Kontakte zu anderen Gemeinden in Deutschland und in Italien. Mertens nahm sowohl an den Pia-Desideria-Gesprächen teil, als auch war er Kommissionsmitglied bei den Gesprächen zwischen der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und den Gemeinschaftsverbänden.

Einen guten Ruf über die Grenzen der Landeskirche hinaus erwarb er sich durch regen Kontakt zum Amt für Missionarische Dienste und Gemeindeaufbau, in deren Beirat und Kammer er Mitglied und auch Vorsitzender war.

Diethard Mertens unterrichtete sehr gerne Religion und Ethik an der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule in Ober-Ramstadt, dort sind mehr als 20 Nationen und alle Hochreligionen vertreten. Das gefiel ihm, denn er suchte stets den Kontakt zu anderen Glaubensgemeinschaften. Mertens war und ist es wichtig einen „Dialog der Religionen“ zu führen in dieser multireligiösen Gesellschaft. „Wir sind herausgefordert zum Dialog, das heißt einander ernst zu nehmen, einander zuzuhören“, betont er. Dazu gehöre aber auch eigene Positionen zu beziehen, Begeisterung, Hingabe und Jesusliebe zu zeigen. Er hat die ökumenische Zusammenarbeit immer wieder gesucht, nicht nur im Dekanat, auch deutschlandweit und im Ausland – so auch in Wien.

Deshalb wirkten an dem Jubiläumsgottesdienst Vertreter der Adventisten und der Evangelisch-freikirchlichen Gemeinde sowie der katholischen Kirche mit. Aus der Waldensergemeinde beteiligten sich Pfarrer Christoph Lubotta, der Nachfolger von Pfarrer Mertens, und die Kirchenvorstandsmitglieder Karl-Heinz Pra und Carola Lautenschläger an der liturgischen Gestaltung des Gottesdienstes.

Viele andere Weggefährten waren nach Rohrbach gekommen, ebenso wie Ober-Ramstadts Bürgermeister Werner Schuchmann und Altbürgermeister Bernd Hartmann. „Du warst mit allen im Gespräch“, sagte Arno Allmann über Mertens und ergänzte: „Wer immer eine Frage zu Kirchen, Konfessionen und Weltanschauungen hatte, konnte sich an Dich wenden und bekam von Dir stets eine sachkundige Antwort.“

Diethard Mertens hat den Arbeitskreis für religiöse Weltanschauungsfragen in der EKHN bereits in seiner Zeit in Herborn mitbegründet. Es folgten viele Treffen und Reisen des Kreises – auch nach Amerika. Den Infarkt erlitt Mertens bei einer Referentenkonferenz in Bad Herrenalb, dort haben die Teilnehmer unter anderem eine buddhistische Gruppe besucht und sich über weltanschauliche Fragen ausgetauscht.

„Dein Dienst ist durch Deine Krankheit im Jahr 2004 abgebrochen worden, aber im Grunde ist Dein Dienst als Hirte nicht beendet“, betonte der Dekan. Er werde gebraucht, denn „gute Hirten sind selten. Wer macht den Christen Mut, ihren Glauben zu leben in einer Gesellschaft, in der Geiz und Ichbezogenheit zur Ersatzreligion geworden sind und es zunehmend zu einer Ökonomisierung aller Lebensbereiche kommt?“

Allmann dankte ihm im Namen der Evangelischen Kirche und im Namen von den vielen Menschen, deren Leben er hilfreich begleitet habe. Für Mertens ist es selbstverständlich auch weiterhin ein guter Hirte zu sein: „Ich bleibe immer Pastor, bleibe im Dienst“. Die Theologie sei nach wie vor seine Leidenschaft und fülle ihn aus. Gerne hält er Gottesdienste in verschiedenen Gemeinden. Auch die Feldforschung im Bereich der Weltanschauungsfragen interessiert ihn nach wie vor. Und so besucht er weiterhin einzelne Gruppen anderer Glaubensgemeinschaften, diskutiert aber auch mit Atheisten.

Zu seiner früheren Ehefrau, einer Theologin und Familientherapeutin, hat er ein gutes Verhältnis. Gerne besucht er die drei Töchter, inzwischen 30, 37 und 39 Jahre alt, mit deren Familien und freut sich über fünf Enkelkinder.

(Foto: Dekanat Darmstadt-Land)
 
Hintergrund:

Diethard Mertens, geboren 1944 in Ratzeburg (Schleswig-Holstein), ist als Sechsjähriger mit der Familie nach Köln umgezogen und dort zur Schule gegangen. Nach dem Abitur 1964 war der Weg für den jungen Mann klar vorgezeichnet: Zunächst studierte er in Madrid Griechisch, sein Cousin war zu der Zeit dort Auslandspfarrer.

Dass er in der deutschen Gemeinde der spanischen Hauptstadt unterrichten durfte, empfand er als Geschenkt. Danach hat Mertens das kathechetisch-theologische Seminar in Düsseldorf besucht. Der junge Mann hielt den Jugendgottesdienst bei einem Turnfest, als der Pfarrer kurzfristig ausfiel. Das muss Probst Karl Zöllner gefallen haben, denn Mertens erhielt eine Einladung zum Gespräch. In Darmstadt folgte dann der Kurs für Pfarrdiakone. Mertens studierte danach Theologie in Heidelberg, Gießen und Marburg. 
Viele Praktika in Gemeinden, unter anderem im Westerwald, begleiteten sein Studium, das er erfolgreich abschloss. Von 1974 bis 1982 war Diethard Mertens mit jeweils einem halben Dienstauftrag als Verbandspfarrer des Herborner Gemeinschaftsverbandes (mit 103 Gemeinden) und in einem Herborner Pfarrbezirk tätig. Am 13. April 1975 ist er in der Stadtkirche Herborn durch Propst Karl Zöllner ordiniert worden. Am 1. Juli 1982 hat er seinen Dienst als Pfarrer der Evangelisch-Reformierten Kirchengemeinde Waldenserkolonie Rohrbach-Wembach-Hahn begonnen.
 

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