Musiknachrichten aus Ober-Ramstadt

Komm und sing!

Über das Leben im Chor: Betrachtungen, Gedanken, Fakten und Ausblicke

Von Klaus-Peter Bayer, Pressewart der Sängervereinigung 1871

Die Sängervereinigung 1871 aus Ober-Ramstadt lädt alle ein, mal in eine Chorprobe hineinzuschnuppern und mitzusingen. Damit man sich schon jetzt vorstellen kann, wieviel Spaß ein Chor macht, gibt die Sängervereinigung hier einen kleinen Einblick in das Leben im Chor und schreibt:

Jetzt mal ganz nüchtern: Wer öffentlich singt, sollte eine halbwegs erträgliche Stimme haben, etwas Disziplin und Durchhaltevermögen mitbringen und im Idealfall Noten lesen können. Aber mal ehrlich: Geht man nur deshalb in einen Chor? Manche, vielleicht.

Wer eines der doch relativ zahlreichen Ensembles in unserer Region besucht, bekommt noch ganz andere Gründe zu hören. Gemeinschaft, Freude, Leidenschaft. Sogar Freiheit. Begriffe, die auch Frauen und Männer aus dem Chor Sängervereinigung 1871 Ober-Ramstadt genannt haben. Begriffe, die die Chorszenen Deutschlandweit und regional in mehr als 150 Jahre prägten.



So wie manch(e)r Chorleiter(in) sich auf das Risiko einlässt, so manches Werk mit Laiensängern aufzuführen, so geht jeder Laiensänger das Risiko ein, dem Anspruch, von wem auch immer, nicht gerecht zu werden. Singe ich gut genug? Treffe ich den richtigen Ton und wie verdammt noch ´mal lese ich den Notenschlüssel richtig? Auf diese Frage kann es eine einfache Antwort geben „Komm und sing!“

Jeder Mensch kann singen, liest und hört man vielerorts aus weisem Munde. Natürlich hat nicht jeder das Zeug zum Solo-Sänger, aber auf jeden Fall für den Chorgesang. Was spricht einen an, was kann einem interessieren und motivieren? Gibt es Gründe in der Gemeinschaft zu singen?

Chöre haben viel mit Nostalgie zu tun. Das bringen ihre Wurzeln mit sich, ihre Rituale und ihr Repertoire. In Deutschland war der Anfang des organisierten Chores Männersache, wie so vieles in dieser Zeit. Eine regelrechte Gründungswelle mit immer mehr Männerchören brachte die bürgerliche Revolution Mitte des 19. Jahrhunderts mit sich. In diesem Umfeld mussten sich die Frauen ihre musikalische Emanzipation erst noch erkämpfen. Es galt als Ausdruck eines neuen Bürgerrechtes, sich nach freien Stücken zu einem Sing-, Orchester- oder Kunstverein zusammenzuschließen.



Was ist das, was die Menschen in einen Chor treibt: Harmonie, vielleicht ist es viel profaner; vielleicht ist der Chor für viele nur ein wunderbarer Ausgleich, das Ventil für den Alltag. Eine der Sängerinnen, die immer ihren Kopf nach oben strecken muss, um die Chorleiterin zu sehen, ringt nach hingebungsvollem Probe-Singen mit den Worten - Singen ist für mich Harmonie, Ausgleich, Abwechslung und Spaß.

Ein Sänger unter den Tenören, fast 40 Jahre dabei, sagt: Es ist schön in der Truppe. Da ist keiner, der die Nase hoch trägt und die vielen Musikrichtungen machen richtig Spaß. Singen ist für mich Gesundheit, ein anderer meint Leben.

Früher musste man sich fast genieren, wenn man gesagt hat, man singt im Chor. Es gab eine Zeit, da hat man in Vereinen Hessens und deutschlandweit ein wenig geschlafen, was die Zukunft betrifft. Aber nun steigen die Zahlen wieder.

Der Deutsche Chorverband kann aus 2011 erfreuliche Zahlen liefern: seit 30 Jahren steigende Mitgliederzahl. Die Mischung aus den traditionellen und der modernen Chöre, wie z. B. Gospelchöre und Jazzchöre, auch die Jugendchöre (auch Young Generation genannt) in den Regionen wie im Deutschen Chorverband lässt die neue Chorszene gar nicht mehr so traditionell aussehen – oder wie irgendein geschäftsführender Vorstand sagt: Chorsingen – deutschlandweit – ist wieder in, nie war die Vielfalt größer.

Ähnliches Positives kann auch beim Hessischen Sängerbund (HSB) beobachtet werden, deren Mitglied auch die Sängervereinigung 1871 ist. Er repräsentiert die Interessenvertretung von über 2300 Chören – unter dem Dach des Deutschen Chorverbandes. Aus erfahrenem Munde ist zu hören, dass in vielen jungen Formationen die Sänger im positiven Sinne ehrgeiziger geworden sind – das betrifft mehr die gemischten Chöre des Pop- und Jazz-Genres.



Wandel überall, auch in der Welt der Chöre: weniger Männerensembles, neue Begeisterung für die Musik, die Szene ist im Umbruch begriffen. Die dafür notwendige Wandlungsfähigkeit ist gegenwärtig, die aufkommende Sensibilität dafür ist immer mehr zu spüren – in den Vokalensembles selbst und deren Umfeld.

Der Deutsche Chorverband zeigt hierfür Interesse und gibt Unterstützung, z. B. im Lehrer-Fortbildungsprogramm der Frankfurter Musik-Hochschule und der Crespo-Foundation, das dazu führen soll, dass Kinder in der Grundschule lernen, mit Spaß qualitätsvoll zu singen.

Es ist die erste Probe nach der Sommerpause. Draußen hämmern Regentropfen auf Autodächer. Drinnen hämmert Cornelia Jaronicki mehrfach auf eine Klaviertaste. Heute ist viel los – sich fast automatisch aufreihend haben sich ca. 34 Männer vor ihr aufgebaut, natürlich nach Stimm-Lage. Die ersten Klänge erobern den Raum mit aaa – ooo – uuu, dann noch ein Tonleitergezwitscher und hinterher folgt irgendetwas ,was - zwar tonmäßig - nachvollziehbar, aber schlecht zu verstehen ist. Das Einsingen hat begonnen.

Dann wird nochmal „Einatmen – Ausatmen“ im Einklang mit dem Singen geübt. Hier und da vermischen sich ´mal flädige Bemerkungen mit der angedeuteten Ermahnung der Dirigentin, die Bauchübungen doch etwas ernster zu nehmen. Das abschließende laute Geklimper auf einer Taste des Klavieres zeigt das Ende der Einsingphase an.

Erstes Stück an diesem Abend: Chianti-Lied. Da leuchten die Augen, werden größer und größer dann schmäler und schmäler, bis sie nur noch kleinen Schlitze zu sehen sind, die Münder weit geöffnet. Schon früh wird klar, welcher therapeutische Effekt Musik allein entfalten kann. So verklingen die Minuten, reiht sich Wiederholung an Wiederholung, hier ein bisschen mehr leise, noch mehr Gefühl oder gebt ein mehr an Betonung darauf und bitte achtet auf die End-Konsonanten – man soll das „T“ am Ende eines Wortes deutlich hören.



Was ist der Dirigentin Cornelia Jaronicki mit der Arbeit unseres Frauen- und Männerchores wichtig? “ Ich möchte, dass die Leute vorankommen mit Spaß, aber auch mit Disziplin, einerseits als musikalische Komponente: Qualität des Chorgesanges, Textverständigkeit wie auch überzeugte Interpretation von Liedern, andererseits Gemeinschaftserlebnis: Freude am gemeinschaftlichen Singen sowohl in den Proben als auch vor dem Publikum. Eine gute Atmosphäre mit Spaß und Lachen in den Singstunden haben ihren festen Platz.“




Gibt es Nachwuchssorgen? Ja, spürbar. Bei Männern größere, die sich in ihren Arrangements nicht weiterentwickelt haben. Mit Volks-, Burschen-, Wein- und Trinkliedern, dem Repertoire der Männerchöre aus dem 19. Jahrhundert, ist die nachwachsende Sängergeneration, aber auch das Publikum, kaum noch recht zu begeistern. Was ankommt: Spirituals und alte deutsche Schlager – das amüsiert das Publikum, was aus berufenem Munde zu erfahren ist. Gewiss kann diese Tatsache auch Ansporn für die 1871er Chöre aus Ober-Ramstadt sein, um Liebhaber und Interessenten des Chorgesanges zum Mitmachen zu begeistern. Vergleichsweise leichter mit Neueinsteigern haben es die Gospelchöre und Jazzchöre, die junge Sängerinnen und Sänger anziehen.

Vielen Vereinen machen Überalterung und Mitgliederschwund seit Jahren zu schaffen. Der wenig ambitionierte Gesangverein scheint deutlich weniger Anziehungskraft auszuüben. Viele Leute sind nicht mehr bereit einem Verein beizutreten. Vielleicht ist es auch ein Phänomen unruhiger Zeiten.

Im Musikraum der Stadthalle im 1. Stock – zwischen Stadthalle und Remise – geht alsbald das Licht aus, die Tür fällt ins Schloss. Und schau einer an: „Und das gute deutsche Volkslied hat plötzlich wieder einen neuen Stellenwert bekommen, einen neuen Charme….Mensch, singen hat doch etwas Befreiendes“. In den Köpfen geht die Probe noch eine gewisse Zeit weiter. Sänger singen nun ´mal gerne.


Singen macht Freu(n)de, produziert Gemeinschaftssinn und beflügelt den körperlichen wie mentalen Zustand der Menschen. Mach mit – sing mit! Komm und sing!



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