Kulturnachrichten aus Ober-Ramstadt

Ober-Ramstädter Persönlichkeiten

Ausstellungseröffnung des Museums Ober-Ramstadt - Bericht und Fotos von Peter Denker

Im gut besetzten Scheunensaal der Hammermühle begrüßte am Sonntag (6. Juni 2010) der Vorsitzende des Vereins für Heimatgeschichte, Kay Saamer, die Anwesenden und namentlich Herrn Bürgermeister Werner Schuchmann mit seiner Gemahlin sowie den Ehrenbürgermeister Bernd Hartmann und natürlich Otto Weber, der die neue Ausstellung konzipiert hat und anschließend erläutern wird. Neben dieser Ausstellung wird am 27. Juni 2010 eine weitere „Die Wahrscheinlichkeit beim Spiel“ über einen Beitrag Lichtenbergs zur Lotto-Diskussion im 18. Jahrhundert eröffnet.


Die zahlreichen Gäste warteten im Scheunensaal gespannt auf die Eröffnung.


Kay Saamer, Vorsitzender des Vereins für Heimatgeschichte, begrüßte die Gäste.


Die Zuhörer folgten interessiert der Eröffnungsrede.


Museumsleiter Otto Weber führte anschließend in die Ausstellung ein.

„Was sind Ober-Ramstädter Bürger?“

Diese Frage beantwortete Otto Weber zu Beginn seines Vortrags wie folgt: Es kommt ihm nicht darauf an, ob die Personen hier geboren oder wie lange sie hier gelegt haben, sondern vor allem darauf, dass sie mit ihrem Wirken hier oder anderswo deutliche Spuren hinterlassen haben.  Dabei gibt die Ausstellung, dem Konzept des Museums folgend, den Bereichen Technik, Wirtschaft und Industrie besonders breiten Raum.

So begann denn auch die detaillierte Vorstellung der Ober-Ramstädter Persönlichkeiten mit Georg Friedrich Heim (1837-1900), dem Gründer der Kammfabrik in Ober-Ramstadt. 1831 hat schon ein Vorfahre von ihm einen Betrieb zum Gewerbe angemeldet, 1862 hat er die Kammfabrik gegründet. Das Kammacher-Handwerk ist ihrer Bedeutung für diese Stadt wegen ja auch Gegenstand einer Dauerausstellung im Anbau des Museums. Eine reich bebilderte Jubiläums­schrift von 1912 dokumentiert die ersten 50 Jahre der Unternehmens­geschichte.  Die Verarbeitung kostbaren Schildpatts zu wertvollen Kämmen kam „durch die Laune der Damen-Haarmode“ (Bubi-Kopf-Frisuren) bald danach zum Erliegen. Seither stellt das Unternehmen  Plexiglasprodukte her.  Nachfahren des Fabrikgründers, das Ehepaar Bernd und Heide Huse (Ur-Urenkelin des Firmengründers),  sind heute bei der Eröffnung dieser Ausstellung zugegen und werden die Räume des Betriebsgeländes in der Ernst-Ludwig-Straße am Festwochenende (26.-27.6.10) für Besucher öffnen.

Das erste Industriegelände der Stadt bildete die Möbelfabrik von Ludwig Schröbel, in der ab 1925 Holzmöbel aller Art für Haus und Garten in Serie hergestellt wurden. „Gelsenkirchener Barock“ nannte man den Stil dieser wuchtigen Echtholzmöbel. Ein Feuerschaden und der Krieg haben dem Unternehmen zwar zugesetzt und es kam nach Kriegsende zur Schließung der Fabrik. Aber nach der Währungsreform von 1948 wurde das Unternehmen neu gegründet, prosperierte wenig später mit rund 300 Mitarbeitern, wurde aber infolge eines Familienkonflikts durch Missmanagement unrentabel und stellte in den 60-er Jahren den Betrieb ein.


Otto Weber im Gespräch mit Bürgermeister Werner Schuchmann (von links).


Hans Gustav Röhr (1895-1937) übernahm 1926 das hiesige Falcon-Werk nach dessen Konkurs, um dort innovative Automobile zu bauen, deren revolutionierende Merkmale er selbst konstruiert hat. Beispielsweise gab die von ihm entwickelte Einzelradaufhängung den Fahrzeugen eine sogar auf Schotterpisten angenehm ruhige Straßenlage. Für die Region hatten die Röhr-Werke, in denen mehr als 3000 Autos  produziert wurden, eine damals den Opel-Werken vergleichbare Bedeutung.

In Zeiten des größten Erfolgs bekam Ober-Ramstadt 1929 sein neues Rathaus. Leider kam das erfolg­reiche Unternehmen durch Rückzug eines Geldgebers aus der Neugründung „Neue Röhr“ infolge von Restriktionen des Nazi-Regimes finanziell in solche Bedrängnis, dass es  ab 1936 nicht fortgeführt werden konnte.  Der Bedeutung des Konstrukteurs und seines Unternehmens widmet das Museum Ober-Ramstadt ebenfalls eine Dauerausstellung im Erdgeschoss.

Karl Breitwieser hat die Fabrik für feinmechanische Werkzeuge BUKO (Breitwieser und Keller) gegründet und mit Produkten wie Schieblehren, Mikrometerschrauben, Passmaßen und Filmperforationsmaschinen zu internationalem Ansehen und wirtschaftlichem Erfolg geführt. Sein Sohn Kurt Breitwieser aber führte das Unternehmen schließlich in den Konkurs.

Besondere Bedeutung bis auf den heutigen Tag kommt der Firmengründung der Farbenfabrik DAW (jetzt Caparol) durch Robert Murjahn (1872 – 1940) zu. Er hat seine anfängliche Produktionsstätte von Ernsthofen nach Ober-Ramstadt verlegt. Von einem Schuppen am Bahnhof hat sich inzwischen das größte Werksgelände der Stadt an der Roßdörfer Straße entwickelt. Die Familie ist hier heimisch geworden und hat außer durch ihr hohes Gewerbesteueraufkommen durch vielfältiges Engagement zum Wohl der Stadt gewirkt, die sich dem entsprechend den Beinamen „Stadt der Farben“ gegeben hat.

Ludwig Wartensleben (1878 – 1945) ist hier geboren, sein Vater war Mitbegründer der heutigen Volksbank. Er selbst wurde Ingenieur und durch Konstruktion einer Heizungsanlage berühmt, die  unterschiedliche Leistungsanforderungen durch Modulbauweise erfüllen konnte.  Dafür wurde er in Karlsruhe mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet. Er wurde er von den Nazis ins KZ Bergen-Belsen gebracht, wo er 1945 umkam.

Erzeugung und Nutzung von Biogas war zu Lebzeiten des ab 1944 in Rohrbach ansässigen Ingenieurs Prof. Dr. Friedrich Reinhold (1895 – 1955) eine  Innovation, die auf einem dortigen Bauernhof funktionsfähig realisiert worden ist.  Die ökologische und wirtschaftliche Bedeutung seiner Anlage stellte sich erst in den letzten beiden Jahrzehnten deutlich heraus.

Eine Reihe von Ärzten haben in Ober-Ramstadt „Spuren hinterlassen“. Dazu gehören die Sanitätsräte Jonannes Büchner und sein Sohn Johann Conrad Büchner, der Arzt, Biologe und Imker Dr. Friedrich Alefeld, der legendäre, schrullige und von allen hochverehrte  Arzt Dr. Werner Deparade, erster Ehrenbürger dieser Stadt.

Als Maler sind erwähnenswert: August Fritz mit Jagdszenen und Eduard Diefenbach mit Aquarellen und Zeichnungen von stadtge­schichtlicher Bedeutung. Auch mit bedeutenden Medaillen ausgezeichneten Hochleistungssportlern ist im Museum eine eigene Vitrine gewidmet. 

Besondere Würdigung verdient auch der Pädagoge Heinrich Volk als Initiator der heutigen Lichtenberg-Gesamtschule. Der Autor Arnulf Zitelmann hat sich als Verfasser der sorgfältig recherchierten und stilistisch anmutigen Lichtenberg-Biografie „Jedes Sandkorn ist ein Buchstabe“ um seine Wahlheimatstadt verdient gemacht. Prof. Dr. Karl Schlechta, der hier 1985 gestorben ist, kommt das besondere Verdienst zu, Nietzsches Nachlass von den durch dessen Schwester vorgenommene Veränderungen befreit zu haben und die Darmstädter Gespräche initiiert zu haben. Hier in Ober-Ramstadt ist auch Willi Hof  1956 gestorben und begraben, Begründer des Vereins HAFRABA und „Vater der deutschen Autobahnen“.


Der Autor Arnulf Zitelmann war unter den Gästen.


In der zentralen Vitrine werden Menschen gewürdigt, die sich in der Nazizeit um Zwangsarbeiter und Verfolgte rührend gekümmert  haben, z. B. ein Mitarbeiter der Fa. Merck namens Heinz, der ein russisches Mädchen beherbergt hat, der „Onkel Kurt“  Karl Bayer, der bei der Beaufsichtigung russischer Kriegsgefangener Menschlichkeit bewiesen hat, und Familie Hahn mit einem Dankbrief aus Frankreich.

Daneben in der gleichen Vitrine noch ein Hinweis auf einen verdienten Ober-Ramstädter, der hier seit vielen Jahren jede Woche mundartliche Schreibspuren  als „Deärabbel“ in den Odenwälder Nachrichten offenlegt: Willi Rodenhäuser. Otto Weber wünscht sich von ihm Unterlagen mit den Faktenhintergründen seiner gesammelten Mundartgedichte für das Museum.


Willi Rodenhäuser, bekannt als Mundartdichter "Deärabbel", ließ es sich nicht nehmen, zur Ausstellungseröffnung zu kommen.


Ebenfalls in dieser Vitrine kommt Wilhelm Brandl (1901 – 1979) zur Ehre, die er sich durch sein Engagement für den Vogel- und Naturschutz verdient hat.

Neben der zentralen Vitrine erinnert ein Ölbild des Malers Eberhard Schlotter an den Landrat Georg Wink (1894 - 1967), der hier früher ein Geschäft für landwirtschaftliche Produkte unterhalten hat und nach Kriegs­ende seit 1945 als Landrat zunächst von den Amerikanern eingesetzt und später zweimal durch Wahlen (bis 1962) in seinem Amt bestätigt wurde. Er hat sich besonders um das Schuldorf Bergstraße und das Kreiskran­kenhaus Jugenheim verdient gemacht.

Der Mensch, der in Ober-Ramstadt gottlob nur drei Tage residierte, der französische Marschall Augerau (1757-1816), hat sich hier durch Maßlosigkeit so unbeliebt gemacht, dass sich sein Name in mundartlicher Verfremdung zu „Oschro“ hier und in der Umgebung als Schimpfname für anmaßende Personen erhalten hat.

Breiten Raum nehmen im Museum natürlich die Familien Lichtenberg und von Wachter ein. Zu letzterer ist ein Familienstammbaum optisch einprägsam zu Dokumenten über einzelne Familienmitglieder in Beziehung gesetzt.

Seinen Vortrag beschloss Otto Weber mit einem Hinweis an die Adresse der Verantwortungsträger in dieser Stadt: „Jede Stadt nutzt die Gelegenheit, Namen für Straßen oder Plätze festzulegen als preiswerteste Möglichkeit, verdiente Bürger zu ehren. Die Gelegenheit  dazu hat Ober-Ramstadt beim MIAG-Gelände leider vertan.  Beim Margarathe-Steiff-Weg hat sie es versucht, aber in peinlich beschämender Weise.“  Was die wenigsten wissen: Lässt man in Google Earth die Umgehungsstraße von Ober-Ramstadt mit Straßennamen darstellen, erscheint längs dieser Straße die Bezeichnung „Margarethe-Steiff-Weg“, als ob Google diese Peinlichkeit nicht wahr haben oder ausgleichen wollte.

Bei der Eröffnung waren die Gäste mit Gebäck und Getränken willkommen geheißen. Fast alle Teilnehmer am Einführungsvortrag waren auch hier zugegen, darunter auch Willi Rodenhäuser und Arnulf Zitelmann. Man war sich einig:

Die ansprechende und informative Ausstellung im Museum Ober-Ramstadt selbst lohnt den Besuch. Sie wird über das Jubiläumsstadtfest hinaus bis zum 29. August 2010 dauern und ist wie üblich sonntags von 14:30 bis 17:30 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet.


Musumsleiter Otto Weber, Dr. Matthias Rohde und Ehrenbürgermeister Bernd Hartmann diskutieren (von links).


Die Veranstaltung "Ober-Ramstädter Persönlichkeiten" ist Teil des Rahmenprogramms rund um die 700-Jahr-Feier Ober-Ramstadts.


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