Kulturnachrichten aus Ober-Ramstadt

Schäfer im Mittelalter

Arnulf Zitelmann liest im Museum aus seinem historischen Roman  „Unter Gauklern“

Bericht von Peter Denker

Am Sonntag (25.4.2010) fanden sich um 15:30 Uhr im Museum von Ober-Ramstadt fast 30 Zuhörer zu einer Autorenlesung der besonderen Art ein. Es ging um die Zeit, der die aktuelle Ausstellung anlässlich der vor 700 Jahren erfolgten Verleihung der Stadtrechte an Ober-Ramstadt gewidmet ist. Otto Weber begrüßte die Gäste und den Autor Arnulf Zitelmann.

Otto Weber begann seine Begrüßung mit dem Hinweis auf einen 1621 erfolgten historischen Landtausch, bei dem Ober-Ramstadt ein großes Waldgebiet („Der Spieß“) gegen einige große Gehöfte und eine Schäferei hergab, die an der heutigen Schießbergstraße lag. Letztere erwiesen sich für den wirtschaftlichen Aufschwung der jungen Stadt als sehr vorteilhaft.


Alle folgenden Fotos sind von "Peter Denker © publicationes.de 2010“

Otto Weber begrüßt die Gäste.

Otto Weber, der sich heute noch darüber freut, Arnulf Zitelmann als Biografen für den berühmten Sohn der Stadt  Georg Christoph  Lichtenberg gewonnen zu haben, freut sich heute, dass er den selben Autor auch dazu gewinnen konnte, über eine Zeit und einen Beruf – den des Schäfers nämlich – zu berichten, von denen wir uns anders kaum ein lebendigeres Bild machen können.

Arnulf Zitelmann, seit 23 Jahren Bürger dieser Stadt und Mitglied des Geschichtsvereins, kommt dieser Bitte gern nach; denn er mag „nirgendwo anders leben als gerade hier“, er folgt Otto Webers Bitte gern, denn „der präsentiert hier Geschichte zum Anfassen“ und er kann sich dem Wunsch nicht entziehen, denn „wenn er ruft, kann man ja nicht widerstehen.“


Arnulf Zitelmann zieht die Zuhörer in seinen Bann

Im Mittelalter waren Schafe für die Produktion von Dung und insbesondere Wolle (noch heute als nachwachsender Rohstoff geschätzt) von herausragender Bedeutung. Die arbeitsintensive Herstellung von Textilien aus Wolle machte deren Wert aus. Reichtum stellte man im Mittelalter gern durch die Größe und Vielfalt getragener Textilien zur Schau. Die Schafhirten waren diejenigen, die den Ertrag grundlegend ermöglichten. Ihr Leben aber war hart, ärmlich und zumeist unfrei.

Aus seinem Buch „Unter Gauklern“ verleiht Arnulf Zitelmann dem Schafhirten Martis lebendige Gegenwart in seinem Vortrag.  Martis, ein ausgesetztes und misshandeltes Kind, wird in einem Kloster im Nördlinger Ries aufgenommen und dort Mitte des 13. Jahrhunderts als „Eigenjunge“  gehalten und als Schafhirt beschäftigt. Entwürdigende Behandlung muss er über sich ergehen lassen, mit wenig und eintöniger Nahrung vorlieb nehmen, Verantwortung übernehmen und widersprüchliche Weisungen der Mönche befolgen, Demütigungen und Prügel von ihnen ertragen. Seinen Tieren ist er ein treuer, guter Hirt, den Mönchen nur eine Arbeitskraft ohne eigene Rechte.

Martis rettet ein Zigeunermädchen - Linori - vom Tode, das vor seinen es ausbeutenden Verwandten geflohen war und sich in ein Moor verirrt hatte und dort in Lebensgefahr schwebte. Er lässt es von einer Frau versorgen, die, obwohl von manchen als Heilkundig geachtet ,doch als „Zaungängerin“ (Hexe) verleumdet wurde und deren Haus schließlich von Eiferern über ihrem Kopf angesteckt  worden ist.  Der Schafhirt Martis sorgt sich um den Verbleib „seiner“ Linori. Er verlässt das Kloster und seine Arbeit, um sie zu suchen, gerät darüber in ungeahnte Schwierigkeiten, bevor er sie bei Gauklern (Darstellern auf Jahrmärkten) wieder findet und selbst ein Gaukler wird. Seine Geschichte wird im Roman „Vor den Toren von Byzanz“ fortgesetzt und findet ihren Abschluss in einem noch unveröffentlichten Roman unter dem Arbeitstitel „Die  Ketzerschwestern“, das im nächsten Jahr erscheinen wird.

Arnulf Zitelmann vermittelte seinen Zuhörern auch einen Eindruck von der Art seiner schriftstelle­rischen Arbeit, indem er die Dauer der Recherche - „ein Jahr für ein Buch“ - und die Vorgehensweise bei der Abfassung (handschriftliches Manuskript, Texterfassung und Überarbeitung mit dem PC: „jedes Buch wird dreimal geschrieben“) erwähnte und eine Kopie seines Manuskripts zu „Alica“ herumreichte.

Arnulf Zitelmann – zum Lesen, zum Zuhören und zum Anfassen.  Ein Mensch, der es versteht, sich in die Menschen und ihre Lebensbedingungen zu früheren Zeiten an verschiedenen Orten sehr intensiv einzufühlen und diese Empfindungen im Text und in seinem Vortrag den Lesern bzw. Zuhörern authentisch und mitreißend lebendig zu vermitteln.

Das zu erleben war eine Bereicherung für die Ausstellung und für alle, die dabei sein durften.

Abschließend belohnte das Museum seine Besucher für ihr Kommen mit Kaffee und Kuchen, wofür Otto Weber sich bei Martel Döring bedankte.







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